Wie Dominic Tamia einen Antrag machte
Dominik und Tamia sind beide in zwei verschiedenen Regionen Georgiens aufgewachsen und kamen nach Deutschland, um hier ein Ingenieursstudium zu absolvieren. So mussten sie also erst ihre Heimat verlassen, um sich kennenzulernen, ein Zufall, den beide vom ersten Augenblick für ihr Schicksal hielten. Tamia litt in den ersten Wochen sehr darunter, so fern von ihrer Heimat zu sein, vor allem als dann überall die Dekoration zu Weihnachten an das nahende Fest der Liebe und der Familie erinnerte, das sie fern von ihren Eltern, Geschwistern und Freunden verbringen musste. Doch da war ja noch Dominic, der natürlich vollstes Verständnis für Tamias Kummer hatte, denn schließlich erging es ihm ja ähnlich.
Und so zogen sie gemeinsam los, kauften besondere Weihnachtskarten, um ihre Grüße an alle Verwandten und Freunde in Georgien zu schicken. Jeder berichtete dabei seiner Familie, dass sie jemanden aus ihrer Heimat kennengelernt hatten, doch behielt das ganze noch einen eher freundschaftlichen Charakter. Sie schlenderten gemeinsam über den Weihnachtsmarkt, tranken Punsch und bewunderten einen großen Seidel Bogen, dessen holzgeschnitzte Figuren an eine Landschaft in Georgien erinnerten. Dabei erzählten sie sich Anekdoten aus ihrem Leben, über ihre Weihnachtsbräuche daheim und stellten dabei neben vielen anderen Gemeinsamkeiten auch ihre gemeinsame Liebe für Hunde fest. An einem kleinen Geschäft blieben sie stehen, um die wunderschöne weihnachtliche Fensterdeko zu bewundern, in der eine weiße Winterlandschaft aufgebaut war, durch die eine elektrische Eisenbahn ihre Kreise zog und der Weihnachtsmann in einem rentierbespannten Schlitten durch die Lüfte flog. In diesem Augenblick war das Heimweh verflogen, erst trafen sich ihre Blicke und dann ihre Lippen.
Ein paar Wochen später zogen zusammen in eine kleine Wohnung, in der sie zusammen lebten, liebten und lernten. Dominic ging oft an diesem Laden vorbei, wo sie sich zum ersten Male geküsst hatten, aber nicht wegen der elektrischen Eisenbahn, die sowieso inzwischen wieder abgebaut war, sondern um zwei schöne Verlobungsringe für sich und Tamia auszusuchen. Am Ostersonntag hatten sie ein kleines Picknick im Park geplant und Dominik hatte extra zwei kleine Osterkuchen gebacken und darin die Ringe versteckt. Voller Spannung wartete er darauf, dass Tamia den Ring im Munde entdeckte, doch sie hatte großen Hunger und schluckte den luftigen Kuchen in großen Stücken hinunter. Das brachte seinen ganzen Plan durcheinander, doch dann nahm er einfach ihre Hand und fragte sie, ob sie ihn heiraten wolle. Da blieb ihr vor Überraschung der letzte Happen im Munde stecken und glücklicherweise war es genau der, in dem der Ring versteckt war. Noch mal Glück gehabt, dachte Dominik und wartete gespannt auf Tamias Antwort …
